Ich habe kürzlich etwas erlebt, das mich zum folgenden Text angeregt hat. Ich schreib das mal auf, ohne echt zu wissen, ob man derlei auch als “Gedankenspinnerei” in die Homepage aufnehmen kann odaliebanicht.
 
 
Dieser Tage wurde ich Zeuge einer Unterhaltung zweier Herren, von denen mindestens einer Maler war. Dieser äußerte voller Überzeugung – und so lautstark, dass es auch niemand in der Umgebung überhöre – er male nur aus dem Bauch heraus. Das machte mich nervös: Besaß der Herr einen akademisch gebildeten Darm oder versuchte er, Verdauungsgeräusche in Malerei umzudeuten?
 
Ich war etwas beunruhigt, in Sorge um die Kunst; denn der Mensch ist ja nicht Darm alleine, viel Darm zwar, sehr viel sogar, aber doch nicht ausschließlich! Daher wusste ich nicht recht, von welcher Sorte Malerei der Herr sprach und ob ich mich für diese Kunst interessieren musste, die ihren Ursprung in Unterleib eines Menschen fand.
 
Sollte es denn Kunstwerken nicht doch gestattet sein, sich auch auf andere Körperregionen zu beziehen? Ist der Verdauungstrakt ein so gewaltiger Künstler, dass man ihm vor allem anderen den Vortritt lassen muss? Zur Betrachtung so entstandener Kunst müsste es doch dann auch reichen, nur den Bauch ins Museum zu befördern; aber schleppe ich nicht auch den Rest an Organen (meinen Appendix ausgenommen; den hat man mir in jungen Jahren geraubt) vor so ein Bild, um es zu begutachten? Vor allem denke ich jetzt an ein Stück Mensch, nämlich an das, welches sein Menschsein ausmacht – oder ausmachen sollte, nämlich den Kopf. Hin und wieder wäre es geradezu wünschenswert und von Vorteil, wenn der Mensch diesen Kopf in seine Arbeiten einbeziehen würde … und das muss man – so glaube ich – nicht alleine auf seine Bemühungen beim Produzieren von Kunst beschränken: Man gestatte mir, zwei Beispiele aus dem richtigen, kunstfernen Alltag anzuführen: Wenn da hinter einer Brücke, die 10 Tonnen trägt, wohlgemerkt hinter ihr, ein Schild angebracht wurde, das Fahrzeugen über 20 Tonnen das Weiterfahren untersagt, dann hat die dafür verantwortliche Person wohl eher eine Darm-, weniger eine Kopfhandlung vollzogen, wie wohl auch jene, welche ihre Stiefel blitzblank wienerte, um sie anschließend der Mülltonne zu überantworten.
 
Und wenn vielleicht der eine oder andere hinreichend Starke es sich antun mag, offenen Augs durch unsere menschlichen oder geographischen Landschaften zu flanieren, um zu betrachten, wozu seine Artgenossen fähig sind, dann laufen ihm gewiss bald kalte Schauer über den Rücken und heiße Tränen über die Wangen … und es keimt Angst auf, die Angst, der Darm könne die Oberhand gewinnen, die Macht ergreifen.
 
Ossi